Thema Wirtschaftskrise: Der Vorsitzende der KKV-Ortsgemeinschaft Erlangen, Kurt Reiter (li.), im Gespräch mit dem renommierten Volkswirtschaftler und Zukunftsforscher Erik Händeler (re.).

Foto: Ulrike Schwerdtfeger

„Die Geschichte der Zukunft“ – Die Wirtschaftskrise war Thema eines Vortrags beim KKV Erlangen

Wenn die Wirtschaft auf der Stelle tritt, herrscht Krisenzeit. Je länger diese dauert, umso größer werden die Auswirkungen auf Konjunktur, Beschäftigung und Staatshaushalt. „Erst eine Politik, die im realen Leben ansetzt, wird die Finanzkrise bewältigen“, meint Erik Händeler. Der Zukunftsforscher sprach jetzt beim KKV (Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung) Erlangen über „Was kommt nach der Krise? Bessere Arbeitskultur und präventiver Gesundheitsmarkt“.

Die Finanzkrise sei nur ein Symptom, nicht jedoch die Ursache für den weltweiten Einbruch der Wirtschaft, so Händeler. Den eigentlichen Grund sieht der Ökonom darin, „dass die Zeiten vorbei sind, in denen uns der Computer deutlich produktiver machte, Ressourcen einsparte und die Wirtschaft antrieb – nun bleiben die gewohnten Produktivitätsfortschritte aus“. Dadurch, sagt Händeler, wachse der Druck hin zu einem anderen Verhalten. „Bis es gelingt, die Quellen höherer Produktivität zu erschließen.“ Und die liegen laut dem Experten zum einen in der möglichst langen Gesunderhaltung des Menschen und zum anderen in der Qualität der Zusammenarbeit so genannter Wissensarbeiter, die sich mit immateriellen Tätigkeiten beschäftigen – „sie organisieren, planen, entwickeln, suchen Lösungen und entscheiden“, so Händeler. Allein in den vergangenen 100 Jahren habe sich das Wissen der Menschheit verdoppelt.

Erik Händeler ist Autor des Bestsellers „Die Geschichte der Zukunft“. Darin beschäftigt sich der 41-Jährige mit der Theorie des russischen Wirtschaftswissenschaftlers Nikolai Kondratieff (1892-1938), der zufolge sich die Wirtschaft in langen Zyklen entwickelt, an deren Beginn jeweils grundlegende technische Umwälzungen stehen. Diese bewirken einen ökonomischen Schub, der gesellschaftliche und politische Veränderungen provoziert – und Umdenken erfordert: „Der Veränderungsdruck zwingt uns zu einem anderen Verhalten“, erklärt Erik Händeler. Der renommierte Volkswirtschaftler, der sich auch kirchlich engagiert, nennt diese Entwicklung „die Ethik des Evangeliums“. „Wo eine Knappheit entsteht, müssen wir etwas besser machen“, sagt Händeler.

Für ihn stellen Gesundheit und Sozialverhalten Mangelware dar. „Bisher haben uns Maschinen weiter gebracht – jetzt stellt das soziale Verhalten in vielen Bereichen eine Hürde dar.“ Händeler meint: „Wir brauchen eine neue Arbeitskultur und müssen den Menschen in seiner ganzen Persönlichkeit wahrnehmen: auf Augenhöhe zusammen arbeiten, Konflikte fair klären, Beziehungen versöhnen.“ Außerdem fordert der Wirtschaftsjournalist die Politik dazu auf, endlich in Gesundheit und nicht in Krankheit zu investieren.

Händeler sieht in der Krise – bereits 1873 nach dem Eisenbahnbau und 1929 nach der Elektrifizierung kam es zu einem ähnlichen Abschwung in der Wirtschaft – nicht nur Negatives: „Dabei bricht zusammen, was nicht tragfähig ist.“ Der Strukturwandel biete auch neue Chancen für die Kirche, denn: „Spiritualität, Glaube und Religion sind immer eingebettet in sozio-ökonomische Strukturen.“

Ulrike Schwerdtfeger

Von Bestseller-Autor Erik Händeler sind im Brendow Verlag erschienen: „Kondratieffs Welt. Wohlstand nach der Industriegesellschaft“ (ISBN-10:3-86506-065-X; 9,90 Euro) und „Die Geschichte der Zukunft. Sozialverhalten heute und der Wohlstand von morgen. Kondratieffs Globalsicht“ (ISBN-10:3-87067-963-8; 19,95 Euro).

 

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