Der Referent sprach den Zuhörern aus dem Herzen. Beim 42. Hirschberg-Forum des KKV Bayern skizzierte Prof. Dr. Markus Vogt, wie eine „Renaissance der Sozialen Marktwirtschaft als Hoffnungszeichen für eine gerechtere Welt“ aussehen müsste. Der renommierte Sozialethiker aus München griff damit das Jahresthema des bayerischen KKV-Landesverbandes der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung e.V. auf. Rund 80 Mitglieder konnte Dr. Heribert Engelhard, Vorsitzender des veranstaltenden KKV Bildungswerkes Bayern e.V. (BWB), zu der Bildungsfreizeit im Bistumshaus Schloss Hirschberg hoch über Beilngries begrüßen, die traditionell von Fronleichnam bis Sonntag dauert.
Nur durch eine Renaissance im Sinne einer substantiellen Weiterentwicklung sei das Modell der Sozialen Marktwirtschaft zukunftsfähig, so der Inhaber des Lehrstuhls für Christliche Sozialethik an der Ludwig-Maximilians-Universität München. „Die Strukturelemente Freiheit, Wettbewerb und sozialer Ausgleich, die die Soziale Marktwirtschaft zu verbinden sucht, müssen heute um das vierte Element ‚Naturverträglichkeit’ erweitert werden. Außerdem hänge ihre Zukunft davon ab, ob ihre Grundidee, die Integration von Wettbewerb und sozialem Ausgleich, heute neu gefunden und durchgesetzt werde. Das Soziale sei nur dann wettbewerbsfähig, wenn man es als Entdeckungsverfahren für die Stärken der Schwachen entfalte. „Soziale Marktwirtschaft braucht eine Sozialpolitik, die als Teil der Wirtschaftspolitik gedacht und gestaltet wird. Entscheidend hierfür ist die Vermittlung mit dem Wettbewerbsgedanken, der als ‚Option für den Starken’ zunächst in einem konträren Gegensatz zur sozialpolitischen Option für den Bedürftigen zu stehen scheint. … Wettbewerb mit humanem Antlitz braucht ‚Kapitalisten der Nächstenliebe’, die die Potentiale der Bedrängten entdecken, fördern und als Marktmacht nutzen.“ Dafür, so Prof. Vogt, gebe es keine Patentrezepte; als Beispiel nannte er die Zufriedenheit der Mitarbeiter, von der nach aktueller Analyse 30 Prozent des Unternehmenserfolges abhängen.
Unter dem Titel „Das Neue sozial denken“ nannte der KKV Landesvorsitzende Dr. Klaus-Stefan Krieger Herausforderungen, für die soziale Lösungen gefunden werden müssen. So ging er zum Beispiel auf das hohe Armutsrisiko von Kindern und alleinerziehenden Frauen ein; wiederholt habe der KKV eine intelligente Kombination aus finanziellen und direkten Hilfen für benachteiligte Kinder gefordert. Auch die Gefahr von Altersarmut müsse man im Auge behalten. Durch zunehmend gebrochene Arbeitsbiographien zahlen Arbeitnehmer weniger in die Rentenkasse ein und erwirken somit geringere Ansprüche. Damit ältere Menschen auf dem Land, wo es so gut wie keine Angebote für betreutes Wohnen gebe, länger in ihrer gewohnten Umgebung bleiben könnten, forderte Krieger eine Entbürokratisierung der ambulanten Pflege; dadurch könnten mehr finanzielle Mittel für die eigentliche Aufgabe verwendet werden.
Die weltweite Verbreitung der Sozialen Marktwirtschaft forderte Pater Benno Kuppler SJ. Wir müssten uns darauf einstellen, so der Geistliche Beirat des KKV München, dass das Wohlstandsniveau bei uns gleich bleibe, damit es woanders ansteigen könne. Der „WirtschaftsSeelsorger und EthikErzähler“ (so seine Selbstbezeichnung) sagte: „Die Soziale Marktwirtschaft ist ein Modell, Lebenssinn umzusetzen.“
Michael Sedlmair, Bürgermeister von Ismaning und stv. Vorsitzender des bayerischen Städtetages, schlug vor, entsprechend dem Bericht der Wirtschaftsweisen auch einen regelmäßigen Sozialbericht einzuführen, in dem u.a. die aktuelle Situation von kinderreichen Familien und Arbeitssuchenden dargestellt werde. Außerdem sprach er sich dafür aus, den „berechtigten Leistungsgedanken“ wieder nach vorne zu bringen, auch vor dem Hintergrund, dass sich der Mensch in seiner Arbeit verwirkliche. Seiner Meinung zufolge, könne man vor allem in kleinen Einheiten wie Kommunen etwas bewirken.
Das jährliche Treffen auf Schloss Hirschberg ist für den KKV auch das Forum, verdiente Mitglieder auszuzeichnen. Mit der Silbernen Hirschberg Medaille wurden dieses Mal die Verdienste von Manfred Plötz vom KKV München gewürdigt. Seit 1998, so KKV-Vorsitzender Dr. Klaus-Stefan Krieger, repräsentiere Plötz den Verband im Diözesanrat des Erzbistums München-Freising und gehöre kraft diesen Amtes auch zum Vorstand seiner KKV-Ortsgemeinschaft. Bei den „Freunden und Förderern des KKV Bildungswerkes Bayern (BWB)“ ist er seit 1999 Mitglied und wurde bei der jüngsten Versammlung während des Hirschberg-Forums zum stv. Vorsitzenden gewählt. Den stv. Vorsitz hatte Manfred Plötz auch beim BWB inne – von 2000 bis 2007;seitdem gehört er dem Vorstand als Beisitzer an. Dr. Krieger überreichte Manfred Plötz die zweithöchste Auszeichnung des KKV Bayern und hob insbesondere seine Beharrlichkeit hervor, mit der er dem BWB auch in etwas unruhigeren Zeiten Stabilität verliehen habe.
Zum traditionellen Rahmenprogramm des Hirschberg-Forums gehören das Hirschberg-Feuer im Burggraben mit Feueransprache – dieses Jahr von Pater Dr. Benno Kuppler SJ - sowie das Schlosskonzert, bei dem der Münchner Diplom-Zauberer Michael Schlesak das Publikum mit Magie und Musik verzauberte.
Das Hirschberg-Forum ist neben dem Landestreffen, das dieses Jahr Ende Oktober in Nürnberg stattfinden wird, die zentrale Veranstaltung des katholischen Sozialverbandes.