
Die Moderatorinnen Christiane Kreutmaier (l) und Elisabeth Falgner sind Mitglieder im Juniorenkreis des KKV München. Sie leiteten die Diskussion von (vlnr) Wirtschaftsjournalist Erik Händeler, dem KKV-Landesvorsitzenden Dr. Klaus-Stefan Krieger sowie dem langjährigen Wirtschaftsjournalist der Süddeutschen Zeitung, Volker Wörl.
Ist die Finanz- und Wirtschaftskrise durch moralisches Versagen verursacht, war eine Systemkrise schuld oder war der Abschwung gar unvermeidbar? Diese Frage ist im Mittelpunkt der Forumsveranstaltung beim Landestreffen des KKV Bayern am 24. und 25. Oktober 2009 in Ingolstadt gestanden. Wie auch immer die eingangs gestellte Frage zu beantworten sei, dem Vorsitzenden des KKV-Landesverbandes Bayern, Dr. Klaus-Stefan Krieger aus Erlangen, zufolge habe die Krise das Interesse daran neu entfacht, woran der einzelne Akteur sein Handeln ausrichtet: „Der KKV als katholischer Sozialverband kann Anregungen und Anstöße geben, dass es gesellschaftliche Diskurse darüber gibt, was richtig und falsch ist, was für unser Zusammenleben notwendig und wünschenswert ist und was nicht. Noch vor wenigen Jahren wurde noch nicht in dem Umfang über Werte gesprochen.“
In eine ähnliche Richtung argumentierte Podiumsteilnehmer Volker Wörl aus München, der 37 Jahre lang als Wirtschaftsredakteur bei der Süddeutschen Zeitung gearbeitet und zuletzt das Buch „Die Quittung“ herausgebracht hat. „Die Menschen haben sich vom Bazillus Gier anstecken lassen, die Krise ist das Resultat von moralischem und intellektuell-finanztechnischem Versagen. Nun sind die Eliten und Medien gefordert, in der Gesellschaft gestaltend zu wirken, indem sie in der Öffentlichkeit Diskussionen und den Austausch gegensätzlicher Meinungen anzetteln. Nur so wird eine Bewusstseinsänderung möglich.“ Die Krise, so der 84-Jährige, betreffe unsere ganze Lebensweise; diese sowie seine Bedürfnisse müsse jeder hinterfragen.
Der freie Wirtschaftsjournalist und Buchautor Erik Händeler sieht die Krise auch als zwangsläufigen Effekt. Der Computer habe in den letzten 30 Jahren sehr viel Zeit und auch finanzielle Ressourcen eingespart, die wieder investiert werden konnten. Dieser Vorgang sei nun weitgehend zu Ende. Die Zinsen seien niedrig gewesen und deswegen sei verstärkt spekuliert worden. Händeler zufolge ist Gedankenarbeit die Arbeit der Zukunft. Wohlstand, so seine These, werde von Wissensarbeit abhängen, zum Beispiel davon, wie gut es ein Unternehmen schaffe, die Potenziale seiner Mitarbeiter ohne behindernde Statuskämpfe und Eitelkeiten anzuerkennen und zu nutzen.