Der KKV Landesverband Bayern der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung diskutierte bei seinem Landestreffen vom 24. bis 25. Oktober 2009 in Ingolstadt Ursachen der gegenwärtigen Wirtschaftskrise. Dabei kam er zu dem Ergebnis, dass wirkliche Zusammenarbeit im Berufsleben Motor für einen neuen Aufschwung sein könnte. Im Anschluss an das Treffen veröffentlichte der KKV Bayern folgende Stellungnahme:
Wir brauchen nicht nur eine ökologische industrielle Revolution, wie Bundespräsident Horst Köhler gestern bei der Verleihung des Deutschen Umweltpreises forderte, sondern auch eine neue Arbeitskultur. Davon ist der KKV Landesverband Bayern der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung überzeugt. Genau 80 Jahre nach dem Börsencrash von 1929 ruft der KKV Bayern dazu auf, mit der Entwicklung echter Kooperation im Berufsleben der gegenwärtigen Wirtschaftskrise zu begegnen. Deren Ursachen diskutierte der Verband am Wochenende auf seinem diesjährigen Landestreffen in Ingolstadt.
Zur Spekulationsblase und zu unverantwortlicher Kreditvergabe kommt es, weil es zuwenig rentable Investitionsmöglichkeiten gibt. Nachdem die meisten Arbeitsvorgänge mit Hilfe des Computers inzwischen durchorganisiert wurden, bietet diese Technik nicht mehr viel Entwicklungspotential. Notenbanken und Regierungen werfen zusätzliche Geldmengen auf den Markt und hoffen so, die Wirtschaft anzukurbeln. In der Realität sinkt jedoch die Geldumlaufgeschwindigkeit, und die Preise für Wertanlagen wie Aktien steigen inflationär. Statt mit der Abwrackprämie und anderen Staatshilfen Strukturen zu erhalten, müssten wir darin investieren, auf eine neue Stufe des Wohlstandes zu gelangen.
Neue Arbeit gibt es nur mit neuen Produkten, ist der KKV Bayern überzeugt. In Zukunft hängt Wohlstand aber immer weniger von materieller Arbeit ab, sondern vom effizienten Umgang mit Wissen. Umgang mit Wissen ist jedoch immer Umgang mit anderen Menschen – Menschen, die wir unterschiedlich gut kennen, unterschiedlich gerne mögen und mit denen wir unterschiedlich viele berechtigte Interessenskonflikte haben. Umgang mit Wissen benötigt zudem flache Strukturen statt Hierarchien und erfordert Teamarbeit. Beides vervielfältigt die Schnittpunkte in den Unternehmen, ohne dass die Beschäftigten schon auf das dazu nötige Verhalten eingestellt wären.
Kosten lassen sich daher immer weniger im materiellen Aufwand sparen. Zu verringern sind zuvorderst die Kosten schlechter Zusammenarbeit: Statuskämpfe, Machtkämpfe, Mobbing und innere Kündigung sind das größte Einsparungspotential für die Wirtschaft. Ein Symptom dafür ist, dass psychische Krankheiten vermehrt für Frühverrentungen verantwortlich sind.
Der Wohlstand der Zukunft, die gesellschaftlichen Ressourcen für Sozialsysteme und Infrastruktur hängen also ab von der Fähigkeit der Menschen, mit Information effizient umzugehen. Deswegen muss die Gesellschaft als Ganzes verstärkt investieren in Bildung, in umfassende Gesundheit – die nicht nur Gesundmachung, sondern gerade auch Prävention beinhaltet – und in das Sozialverhalten der Menschen.
Der Landessenat des KKV Bayern hat daher am Samstag in Ingolstadt beschlossen, dass sich der Verband in den kommenden Jahren für eine kooperative Arbeitskultur einsetzen und gezielt mit deren Regeln beschäftigen will. Dabei soll es bewusst nicht allein um Führungsverhalten gehen, sondern um Grundsätze des Verhaltens aller Mitarbeiter bei der Zusammenarbeit und im Umgang miteinander.
Der KKV Bayern ist ein katholischer Sozialverband mit rund 1.300 Mitgliedern in 13 Ortsgemeinschaften. Im Landessenat des KKV Bayern fassen der Landesvorstand, die Vorsitzenden der Ortsvereine und die Beauftragten des KKV für die sieben bayerischen Bistümer gemeinsame Beschlüsse.