"Kein poetischer Popstar auf Papier - aber ein wichtiger Impuls für unsere Arbeit an der katholischen Basis", ist, so sieht der stellvertretende Bundesvorsitzende des KKV, Tobias Gotthardt, die päpstliche Enzyklika "Caritas in Veritate". Zusammen mit dem Münchner KKV-Vorsitzenden Klaus-Dieter Engelhardt sprach er bei einer Tagung des Münchner Katholikenrates vor rund 40 Verbandsvertretern über "die Herausforderung, das päpstliche Rundschreiben nachhaltig zu kommunizieren, den Menschen zu erklären und zentrale Inhalte gesellschaftspolitisch im Spiel zu halten".
Dabei, so Gotthardt, müsse man die Schwächen des Papiers keinesfalls verschweigen: "Es wäre ja geradezu enttäuschend, könnte der Papst das Wesen der Welt auf nur 65 Seiten vollends erklären." Als enttäuschend beispielsweise bezeichnete Gotthardt das Ausklammern der Rolle der Frauen: "Es ist nicht realistisch, über eine globale Entwicklung zu sprechen, ohne explizit die Rolle der Frauen zu nennen. Hier klafft eine inhaltliche Lücke."
Innerkirchlich empfiehlt das Mitglied des KKV-Landesvorstands deshalb eine kritische Auseinandersetzung mit der Enzyklika, "ohne aber das Papier bei jeder Gelegenheit in der Öffentlichkeit zu zerreißen." Hier gelte es vielmehr, die Stärken der Schrift zu stärken.
"Caritas in Veritate steht nicht allein für sich - sie fügt sich in die lange Tradition der katholischen Soziallehre. Dort müssen wir sie auch sehen - und uns selbstkritisch fragen, ob wir es in Kirche und kirchlichen Verbänden in den vergangenen Jahrzehnten nicht einfach verpasst haben, die Grundsätze unserer Soziallehre im Alltag der Menschen zu verankern und sie im heute zu erklären."
Der KKV als Forum der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung wolle sich dieser "ureigenen Aufgabe der katholischen Sozialverbände mit neuem Bewusstsein und Selbstbewusstsein widmen". Man sei sich im Verband einig darin, "dass es an uns liegt, die Enzyklika zunächst in ihren Details zu verstehen, sie im öffentlichen Diskurs im Spiel zu halten, sie - wo möglich - herunter zu brechen in die Lebenswirklichkeit der Menschen und sie immer wieder neu zu übersetzen."
Im KKV schätze man besonders den wirtschaftsethischen Schwerpunkt der Enzyklika. Sie ist eine gute Vorlage für hochaktuelle, gesellschaftspolitische Beiträge aus dem katholischen Milieu: Etwa bei der Definition des "ehrbaren Kaufmanns" in Zeiten groben Missmanagements und globaler Wirtschaftskrise. Oder aber auf dem Weg zu einer "Renaissance der Sozialen Marktwirtschaft" im globalen Kontext.
Gerade hier werde der KKV beim Ökumenischen Kirchentag 2010 einen inhaltlichen Schwerpunkt setzen und ein spannendes Programm im "Haus der Sozialen Marktwirtschaft" des Verbandes am Münchner Königsplatz schmieden.