Erik Händeler

„Bei den Wertvorstellungen ansetzen, um den Markt zu verändern“

KKV-Vorstandsmitglied Händeler zu „Caritas in Veritate“:
Betonung des Gemeinwohls soll öffentliche Wertdebatte provozieren

Wirtschaftsexperte und KKV-Mitglied Erik Händeler hat die neue Enzyklika zur Katholischen Soziallehre von Papst Benedikt XVI. als „eine ungeheure Provokation“ in einem Weltbild bezeichnet, in dem maximales Glück und Wohlstand nur möglich seien, wenn jeder seinen Nutzen maximiere. In einem Interview mit dem katholischen Nachrichtendienst zenit führte der renommierte Volkswirtschaftler aus, dass der Markt keine gesichtslose, schicksalhafte Gewalt sei, der sich die Menschen einfach ausliefern müssten, sondern die Summe aller Wünsche von allen, die wiederum auf ihren veränderbaren Wertvorstellungen und Zielen im Leben beruhten. Marktliberale definierten Eigeninteresse als „den allein für sich selbst engagierten, in Geldeinheiten rechnenden, rein diesseitig-materialistischen Individualisten.“ Dabei handele es sich nicht um eine neutrale wissenschaftliche Erkenntnis, sondern um ein unbewiesenes Glaubensdogma. Mit „Caritas in Veritate“ kritisiere der Papst diese „Glaubensgrundlagen der heutigen Mainstream-Ökonomen“. Er setze ein Zeichen indem er die Priorität des Gemeinwohls betone, um die dem Markt zugrunde liegenden Wertvorstellungen zu verändern. „Manche, die so tun, man solle den Markt gefälligst sich selbst überlassen, möchten in Wirklichkeit eine solche als lästig empfundene, öffentlich geführte Debatte über moralische Erwägungen, die sie einengen könnten, verhindern.“ Erik Händeler weist in dem Interview die Vorwürfe zurück, der Papst verabschiede sich erstens von einer liberalen Wirtschaftsauffassung, wenn er im Gegensatz zu seinem Vorgänger Johannes Paul II. mit keiner Silbe den freien Markt als das wirksamste Instrument zur Schaffung von gesamtgesellschaftlichem Wohlstand erwähnt, und zweitens dem Staat zuviel zutraue. Dazu Händeler: Der Papst vertrete eine andere Wertehierarchie als Marktliberale. Was der Papst in Bezug auf den Staat ausspreche, sei eine logische Folge der historischen Aufwärtsentwicklung. „Je komplexer das Tun wird, um so mehr und um so länderübergreifender müssen Vorgänge geregelt werden, einfach weil sie dann effizienter sind … Das Gemeinwohl sinkt, wenn ein Staat sich zurückzieht und Steuern senkt, Wohlhabende mehr Luxusgüter kaufen, die nicht die Leistungsfähigkeit eines Landes erhöhen, während Schulen unterfinanziert und Jugendliche ungefördert bleiben.“ Erik Händeler ist Mitglied im Vorstand des KKV Bayern, im Sachausschuss Wirtschaft beim Landeskomitee der Katholiken in Bayern sowie bei der Gesellschaft Katholischer Publizisten. Sein Bestseller „Die Geschichte der Zukunft – Sozialverhalten heute und der Wohlstand von morgen (Kondratieffs Globalsicht)“ ist im Brendow Verlag erschienen.

Das Interview im Original sehen Sie hier.

 

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