"Welches Menschenbild müssen die 252 Europaparlamentarier haben, die sich für die Selektion künstlich erzeugter Embryonen vor der Übertragung in den Mutterleib ausgesprochen haben?" Mit diesen Worten prangert Dr. Klaus-Stefan Krieger, Vorsitzender des KKV-Landesverbandes Bayern der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung, das Abstimmungsverhalten von EU-Abgeordneten – darunter vor allem Kommunisten, Sozialdemokraten und Liberale – an, die für den Änderungsantrag des griechischen Europaabgeordneten Anatonios Trakatellis plädiert hatten.
Dieser sah vor, die Mitgliedsstaaten aufzufordern, "Bemühungen zu unterstützen, ... die zur Ausmerzung seltener Erbkrankheiten" führen, einschließlich der "Auswahl gesunder Embryos vor der Implantation". Das Europäische Parlament hatte sich in einer sehr umstrittenen Abstimmung für die Vorabselektion von Embryonen zur Vermeidung seltener Erbkrankheiten ausgesprochen. Dieser Vorschlag wurde im Bericht zu seltenen Krankheiten vorgebracht und hatte bereits im Vorfeld heftigen Widerstand bei den Christdemokraten wie auch bei Kirchen, Behindertenverbänden und in der Wissenschaft ausgelöst. Auch hier werde deutlich, wie schnell gut gemeinte Vorhaben eine negative Eigendynamik entwickelten, die kaum mehr zu bremsen seien, mahnt Krieger. Gerade die Embryonenforschung zeige, wie schmal der Grat sei, menschliches Leben zu verzwecken. Natürlich sei es keine Frage, dass Menschen mit seltenen Krankheiten Hilfe und Unterstützung finden müssten. Seltene Krankheiten im europäischen Rahmen aber zu verhindern, in dem man die Bürger ermutige, solche Menschen im embryonalen Zustand zu beseitigen, wie es der Antrag Trakatellis vorsehe, bedeute einmal mehr, dass sich der Mensch zum Herrn über Leben und Tod aufschwinge.
Der KKV stimmt deshalb ausdrücklich dem bayerische Europaabgeordnete und KKV-Mitglied Martin Kastler zu, wenn er der Politik das Recht abspricht, zu bestimmen, welches Leben eine Chance bekommen solle. Gerade die Geschichte des 20. Jahrhunderts zeige, zu welchen Greueltaten es unter dem Deckmantel von Wissenschaft und Forschung kommen könne.