Bessere Arbeitskultur und Gesunderhaltung als Wege aus der Krise – Zukunftsforscher Erik Händeler sprach beim KKV Passau

Es werden weniger Autos gekauft, weil sich nun auf die Realwirtschaft auswirkt, dass sich alle Banker weltweit entschlossen haben, unseren Wohlstand zu verzocken – so die allgemeine Lesart der anrollenden Wirtschaftskrise. Zukunftsforscher Erik Händeler hielt bei einem Vortrag vor dem KKV Passau dagegen: Die Finanzkrise sei nur ein Symptom, nicht aber die Ursache für den weltweiten Einbruch der Wirtschaft.

Die tatsächliche Ursache sei in dem Ende der Phase zu sehen, in der der Computer deutlich produktiver gemacht, Ressourcen eingespart und die Wirtschaft angetrieben habe. Nun blieben die gewohnten Produktivitätsfortschritte und in der Folge rentable Investitionen aus. Deswegen seien die Zinsen tief gesunken und Spekulation sowie leichtfertige Kreditvergabe üblich geworden.

Händeler zufolge müsse es gelingen, Quellen höherer Produktivität zu erschließen. Diese lägen in der Gesunderhaltung und in der Qualität der Zusammenarbeit der Wissensarbeiter. Es komme darauf an, die verschiedenen Kompetenzen von Führungsebene, mittlerem Management sowie Facharbeitern und Sachbearbeitern zusammenzuführen. „Aufgrund von Statusorientierung und destruktivem Streitverhalten funktioniert dies bislang schlecht.“

Im konkreten Arbeiten gehe es beispielsweise darum, Informationen wahrhaftig und nicht orientiert an dem eigenen Nutzen weiterzugeben, demütig zu sein und sich zurückzuhalten, wenn die eigenen Kompetenzen nicht gefragt seien, auch nach einem Streit weiter zusammenzuarbeiten, Kritik zu üben und anzunehmen sowie einen langfristigen statt einen kurzfristigen Nutzenhorizont im Auge zu haben.

In diesem Strukturwandel habe die Kirche einerseits neue Chancen, weil es um Themen gehe, bei denen sie Kompetenzen besitzt. Andererseits geraten auch manche früheren Kirchenstrukturen unter Druck, wenn der im Beruf selbständig denkende Mitarbeiter als Kirchenmitglied einerseits kritischer als früher mitdenkt, andererseits aus seinem stärker reflektierten Glauben heraus die Kirche wirkungsvoller mit trägt.

Erik Händeler ist Mitglied im Landesvorstand des KKV – Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung, und arbeitet mit im Sachausschuss Wirtschaft des Landeskomitees der Katholiken in Bayern. Sein Buch „Die Geschichte der Zukunft“ erscheint Ende März in 7. Auflage.

 

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