KKV Bayern fordert Neustart in der Gesundheitspolitik – Ernsthaftes Präventionsgesetz ist notwendig

Während die Anforderungen an das Gesundheitssystem weiter steigen, dreht sich die gesundheitspolitische Diskussion vor allem um Verteilungskämpfe innerhalb eines begrenzten Budgets. Das ist politisch zu kurzsichtig. Der KKV Landesverband Bayern der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung appelliert daher an die Politik, mutig die gesundheitspolitischen Scheuklappen abzulegen, einen Neuanfang in der Gesundheitspolitik zu wagen und sich stärker für das Vermeiden von Krankheit einzusetzen. Wir brauchen eine neue, mutige Gesundheitspolitik, ein breites „Bündnis für ein gesundes Deutschland“ sowie eine ernst zu nehmende Initiative für ein Präventionsgesetz.

Unser Gesundheitssystem braucht einen schnellen, einen konsequenten Neuanfang – kurieren wir die Ursachen, nicht die Symptome. Die Kosten im Gesundheitswesen explodieren, ein Ende der Spirale ist – auch mit der aktuellen Gesundheitsreform – nicht in Sicht. Studien zeigen: Die seit den 1970er Jahren verdoppelten Krankenkassenbeiträge sind nicht alleine eine Folge des Alterns oder des technischen Fortschritts. Sie sind vielfach Folge eines ungesunden Lebensstils: Schlechte Ernährung, wenig Bewegung, geistig-emotionaler Stress. So sind viele der häufigsten und teuersten Erkrankungen – etwa Herzerkrankungen, Arteriesklerose und die erworbene Diabetes Typ II – meist verursacht durch Fehlernährung, Rauchen und Bewegungsmangel. Hier muss die Gesundheitspolitik ansetzen und präventiv-positiv dagegenhalten! Die Entstehungsgeschichte der Krankheiten ist oft lang und absehbar: Arbeitsverdichtung, Anspannung und Stress in der Arbeit, Überarbeitung und fehlende work-life-balance, Übergewicht ab dem Kindesalter und vieles mehr. „Ungesunde“ Einsparungen der öffentlichen Hand – etwa die Kürzung des Schulsportunterrichts – verschärfen das.

Es bleibt Aufgabe und Verantwortung eines jeden Einzelnen, seinen Lebensstil zum Gesunden zu wenden. An dieser Eigenständigkeit darf im Sinne der Subsidiarität nicht gerüttelt werden. Der Staat aber muss die Bildung des Gesundheits-Bewusstseins aktiv unterstützen (Präventionsgesetz), den nötigen finanziellen Rahmen dafür schaffen (Mitteleinsparungen in der Krankheitspolitik, Investitionen in proaktive Gesundheitspolitik) und ressortübergreifend für eine Sensibilisierung der Bevölkerung sorgen (Anreize, Kampagnen, informierter Verbraucher).

Es geht dabei um einen ganzheitlichen Ansatz – und nicht nur um viel Geld oder zeitintensive Übungen. Bereiten wir den Weg für eine „persönliche Gesundheitsreform“: Entwickeln wir zusammen mit Arbeitnehmern und Arbeitgebern – auch im Zuge aktueller Demografie-Bemühungen - eine gesunde Arbeitskultur, in der Konflikte kooperativ geklärt werden. Schaffen wir eine Arbeitsumwelt, die garantierte Erholungsphasen kennt. Stärken wir die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und fördern wir die Familie als gesellschaftlich breit anerkannten Raum des Miteinanders und des emotionalen Ausgleichs. Schaffen wir ein breites Bewusstsein für eine gesunde Ernährung, engagieren wir uns für mehr Bewegung im Alltag und fördern wir ehrenamtliches Engagement im Sport.

Der KKV Bayern plädiert für eine neue Politik der Gesunderhaltung. Sie ist für den Staat eine Querschnittsaufgabe und fordert viele Akteure. Der KKV fordert ein „Bündnis für ein gesundes Deutschland“: Wir brauchen einen breiten gesellschaftlichen Dialog darüber, wie sich primäre Prävention im realen Leben gestalten lässt. An der Politik liegt es, diesen Prozess zu begleiten und schnell das umsetzen, was mehrheitsfähig ist. Kirchen und Sozialverbände sind bereit, diesen Prozess konstruktiv zu begleiten und sich weiter wie bisher engagiert einzubringen: Wir haben die Erfahrung, hierfür offene Häuser und Orientierung zu bieten. Unser „gesunder“ Standpunkt: Der christliche Glaube motiviert zu einem gesunden Leben, um die Welt heute mitzugestalten - ohne dabei aber den Wert der Gesundheit zu verabsolutieren und Alte, Kranke sowie Schwache auszugrenzen.

Eine zukunftsfähige Gesundheitspolitik nimmt ihren Namen ernst. Sie unterstützt und fördert Menschen auf gesundem Lebensweg – ohne aber Menschen in Alter, Krankheit und sozialer Not fallen zu lassen. Ihr Halt im sozialen Netz ist mit Garant für ein gesundes, sozial gerechtes und zukunftsfähiges Deutschland.

 

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