"Gerade die Situation kinderreicher Familien muss alle gesellschaftlich Verantwortlichen im Freistaat alarmieren." Diesen Schluss zieht der Landesvorsitzende des KKV Bayern der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung, Dr. Klaus-Stefan Krieger, aus dem vor kurzem vorgelegten Bayerischen Sozialbericht. "Denn während Bayern ansonsten meist bessere Werte erzielt als andere Bundesländer, stellen sich ausgerechnet Familien mit mehr als zwei Kindern in Bayern schlechter als im Durchschnitt Westdeutschlands."
So liegt laut dem Bericht das Wohlstandsniveau von Familien mit drei oder mehr Kindern bei 75 % (100 % ist der Durchschnitt aller Einwohner). Damit fallen sie weit ab hinter den kinderlosen Paaren (110 %) und den Paaren mit einem Kind (106 %). Im Bundesvergleich rangieren die kindereichen Bayern unter dem Durchschnitt der Mehrkinderfamilien in den alten Bundesländern (80 %). Das Armutsrisiko kinderreicher Paare ist zudem zwischen 2000 und 2005 von 14 % auf 20 % gestiegen.
"Hier besteht also akuter Handlungsbedarf", folgert Krieger. "Unserem Verbandsmitglied, dem Landtagsabgeordneten Joachim Unterländer, ist zuzustimmen, wenn er - so in der Aussprache des Landtags zum Sozialbericht - eine weitere Entlastung der Familien als dringend einstuft."
Daher begrüßt der KKV Bayern, dass sich die Bayerische Staatsregierung für eine unverzügliche Neuberechnung des Sozialgeldes für Kinder einsetzen will. "Sie muss sich am tatsächlichen Bedarf der Kinder orientieren und etwa Ausgaben für Schulmaterial, Schulausflüge, Nachhilfe, Musikunterricht, ein Fahrrad oder sportliche Aktivitäten realistisch ansetzen", meint auch Krieger. Das habe auch das Bundessozialgericht gefordert. Das Sozialgeld für Kinder pauschal auf 60 % von „Hartz IV“ für Erwachsene festzulegen, hat es als verfassungswidrig verworfen. Die Staatsregierung will auch prüfen, inwieweit Sachleistungen den Kindern eher nutzen als Geldleistungen. Beide Absichten entsprechen der Auffassung, die auch der KKV Bayern wiederholt vorgetragen hat.
"Die Verbesserungen für kinderreiche Familien dürfen sich aber nicht auf die bedürftigen Familien beschränken", ergänzt Krieger. "Nachdem der Bund für Steuerzahler soeben zu dem Ergebnis gekommen, dass gerade die mittleren Einkommen steuerlich immer stärker belastet wurden, ist festzuhalten: Gerade die Familien haben Steuererleichterungen verdient."