Kooperation wird künftig der Motor des Wohlstands sein

Wirtschaftsjournalist Händeler stellte beim KKV-Landestreffen die Theorie der langen Konjunkturwellen vor

Humor, Ausdauer, Versöhnungsbereitschaft, Demut! Das sind unerlässliche Eigenschaften für eine prosperierende Wirtschaft der Zukunft. Der Wirtschaftsjournalist Erik Händeler erläuterte das den Mitgliedern des Verbandes der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung (KKV) bei deren Landestreffen im Bamberger Bistumshaus St. Otto. Sein Thema lautete: „Werden wir 2040 menschenwürdiger leben?“

Nach Landwirtschaft, Industrie und Dienstleistung sieht Händeler ein Zeitalter der Information heraufziehen. Dabei wird es notwendig sein, so die Meinung des Volkswirtschaftlers, schnell Information zu beschaffen, kompetent mit ihr umzugehen und sie transparent zu kommunizieren. Nur so können sich Standorte noch profilieren, denn Maschinen, Kredite und Informationen lassen sich in einer globalisierten Welt überall bekommen. Händeler: „Der einzige Standortfaktor, durch den  sich Regionen der Welt künftig noch voneinander unterscheiden, ist die Fähigkeit der Menschen vor Ort, mit Informationen umzugehen.“ Kooperation, Streitkultur, Mobilisierung von Organisationswissen und Wahrhaftigkeit sind dabei unverzichtbar. „Aus marktwirtschaftlichen Gründen werden wir es uns nicht mehr leisten können, uns nicht mehr zu versöhnen“, spitzt Händeler seine Thesen zu. Denn Mobbing, Verabsolutierung subjektiver Sichtweisen, interne Machtkämpfe und Eigennutz, so Händeler, seien kontraproduktiv und gleichbedeutend mit ökonomischen Verlusten.

Es gehe nicht um Geld, sondern um gesellschaftliche Realität, betonte Händeler mehrfach. Information, der Wirtschaftsfaktor der Zukunft, sei eine immaterielle Größe. „Gummihierarchien“ gehörten zu dieser Zukunftsökonomie und müssten nicht als Bedrohung, sondern als effizienz- und produktivitätssteigernd erkannt werden. Auch erzwinge die künftige Wirtschaft, wolle sie erfolgreich sein, eine Universalethik. Diesen Begriff erläutert Händeler, wie folgt: „Universalethik ist eigentlich das, was das Christentum ausmacht: Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst.“ Um die Ebene dieser Ethik zu erreichen, sei  die Voraussetzung eine Individualethik, da nur ein reflektierter Glaube gereift und damit stark sei. In der Kirche werde dagegen immer noch einer Gruppenethik den Vorzug gegeben, die Anpassung an maßgeregelte Vorgaben fordere, übt Händeler Kritik an der Institution Kirche.

Händeler stützt seine Argumentation auf die nach einem russischen Ökonom benannten „Kondratieff-Zyklen“. Diese Theorie geht aus von langen Konjunkturwellen von 40 bis 60 Jahren Dauer, die sich wie S-Kurven aneinander reihen. Der erste von Kondratieff beschriebene, 1780 einsetzende Zyklus ist durch die Erfindung der Dampfmaschine und dadurch extrem zunehmende Produktivität besonders in der Textilindustrie gekennzeichnet. Die zweite Periode ab 1849 bringt durch die Erfindung der Eisenbahn eine enorme Transportbeschleunigung mit sich. Der elektrische Strom, der Verbrennungsmotor und das Automobil machen Auf- und Abschwung der nächsten beiden Zyklen aus.

„Wirtschaft ist nicht nur ein ökonomischer, sondern ein gesamtgesellschaftlicher Vorgang“, ist Händeler überzeugt. Rezession dürfe nicht lähmen, sondern müsse Erfindungsgeist freisetzen, zur Aufstellung neuer Spielregeln führen und Bereitschaft zum Verzicht wecken. Wenn der Leidensdruck groß genug sei, so zeige die Erfahrung aus der Geschichte der Konjunkturzyklen, mobilisierten sich die Kräfte zu neuen, bahnbrechenden Errungenschaften.

Erik Händeler, der auch Mitglied des Landesausschusses „Arbeit – Wirtschaft – Umwelt“ des Landeskomitees der Katholiken ist, stellte dem bayerischen  KKV sein Buch zu der Wirtschaftsthematik vor: „Die Zukunft der Geschichte“. Auch das Thema Gesundheit spielt in seinem Gedankengebäude eine Rolle. Aufgabe des Gesundheitssystems der Zukunft sei nicht mehr, von möglichst vielen Kranken zu profitieren. Vielmehr gelte es, durch Gesunderhaltung der Gesunden zur Verlängerung der Lebensarbeitszeit beizutragen.

Dorothea Weiler

 

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