Im religiösen Supermarkt

Weltanschauungsbeauftragter Dr. Hans Horst referierte beim KKV Erlangen

Dr. Hans Horst (rechts) im Gespräch mit dem Pfarrgemeinderatsvorsitzenden von St. Sebald, Heinz Mahler.
Foto: Klaus-Stefan Krieger

Erlangen – Einen seiner ersten öffentlichen Auftritte hatte der neue Weltanschauungsbeauftragte der Erzdiözese Bamberg, Dr. Hans Horst, beim KKV Erlangen. Im Gemeindezentrum von St. Sebald referierte er über neue religiöse Bewegungen.

Die Landschaft des Glaubens am Beginn des 21. Jahrhunderts bezeichnete Dr. Hans Horst als „religiösen Supermarkt“, dessen Angebote „unüberschaubar geworden“ seien. Anders als noch in den 1990er Jahren vorhergesagt, habe Religion sich nicht aufgelöst. Aber der heutige religiöse Aufbruch komme nicht aus den Kirchen, sondern der Gesellschaft. Und auch auf dem religiösen Markt mache sich die Globalisierung bemerkbar: „Jeder Glaube wird über die Medien überallhin verbreitet.“ Horst machte dies am Fernsehprogramm deutlich: Von griechischen Orakeln über die Mormonen bis zu afrikanischen Stammesreligionen sei hier alles Mögliche Thema.

Die Kirche, so Horst weiter, halte die Pluralisierung der Religion inzwischen für unumkehrbar, die Folgen für unwägbar. Im 2. Vatikanischen Konzil habe die katholische Kirche die Religionsfreiheit und damit auch die religiöse Vielfalt anerkannt. Auch in anderen Glaubensüberzeugungen als der katholischen bzw. christlichen seien Funken der Wahrheit enthalten.

Aus dieser Grundhaltung leitete Horst drei Verhaltensregeln ab: Christen sollten 1. andere Religionen wahrnehmen und zu verstehen suchen sowie zu Dialog und Auseinandersetzung bereit sein. Dann müssten 2. aber auch die Unterschiede im Welt-, Menschen- und Gottesbild benannt werden. Christen sollten zur Auskunft über ihren Glauben fähig sein. Weder Harmoniestreben noch pure Abwehr bildeten die richtige Reaktion auf andere Überzeugungen. 3. sei zu fragen, ob die jeweilige Religion „sozialverträglich“ sei: „Macht eine Bewegung ihre Anhänger unfrei, verängstigt sie sie, übt sie Druck aus insbesondere auf jene, die sich wieder abwenden wollen?“ Hier gehöre zu den Aufgaben der Kirche, zu beobachten, zu dokumentieren, zu informieren und zu beraten.

Horst ging schließlich auf einzelne religiöse Bewegungen wie Scientology und Universelles Leben ein. Besonders ausführlich behandelte er die auch in Erlangen ansässige Neuapostolische Kirche. Sie besitze ein exklusives Selbstverständnis und nehme das Buch der Offenbarung aus dem Neuen Testament wörtlich: Nur wer der Apostolischen Kirche angehöre, komme in das 1000-jährige Friedensreich vor dem Ende der Welt. Allerdings setze langsam ein Umdenken ein; Ökumene werde von Vertretern dieser Glaubensrichtung nicht mehr so abgelehnt wie früher.

Klaus-Stefan Krieger

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