Hochkarätige Referenten und rund 100 Teilnehmer auf dem 37. Hirschberg-Forum von Bildungswerk und KKV Landesverband Bayern
Der stellvertretende Bundesvorsitzende Dr. Heribert Engelhardt (links) moderierte die Diskussion mit Prof. Dr. Bernhard Sutor, dem früheren Vorsitzenden des Landeskomitees der Katholiken in Bayern.
„In der Kirche zu Hause, offen für die Gesellschaft“: Unter diesem Motto stand das 37. Hirschberg-Forum des KKV Bildungswerkes Bayerns (BWB) und des Landesverbandes Bayern der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung (KKV) auf Schloss Hirschberg bei Beilngries vom 25. bis 29. Mai 2005. Alle Referenten unterstrichen die große Verantwortung der Kirche für Staat, Gesellschaft und Wirtschaft. Gerade heute bräuchten die Menschen verstärkt wieder ein ideelles Fundament, Halt und Werte, die sich nicht nur am kurzfristigen persönlichen Vorteil orientieren. Dabei komme insbesondere den katholischen Sozialverbänden wie dem KKV eine Brückenfunktion zwischen Kirche, Staat, Gesellschaft und Wirtschaft zu. Unter großem Beifall der rund 100 Teilnehmer forderten der Vorsitzende des KKV Landesverbandes Bayern Dr. Klaus-Stefan Krieger und der Vorsitzende des BWB Wolfgang Barth die Christen und insbesondere die Mitglieder des KKV zu noch mehr Engagement auf.
Einig waren sich die beiden Landtagsabgeordneten Dr. Hildegard Kronawitter (SPD) und Prof. Dr. Walter Eykmann (CSU), dass in einer fundierten christlichen Werteerziehung in Familie und Schule die unverzichtbaren Grundlagen unserer Gesellschaft geschaffen werden, ohne die Staat und Gesellschaft nicht überlebensfähig seien. Deshalb dürfe auch der Religionsunterricht nicht, wie momentan in Berlin in Frage gestellt werden. Überwogen in dieser Frage noch die Gemeinsamkeiten, bewerteten die beiden Referenten die derzeitige Debatte über die „Kapitalismuskritik“ sehr unterschiedlich. So betonte die Wirtschaftsexpertin der SPD-Landtagsfraktion, Dr. Hildegard Kronawitter, dass das egoistische, nur auf die kurzfristige Kostenminimierung oder Gewinnoptimierung ausgerichtete Verhalten vieler Unternehmen und Topmanager langfristig die wirtschaftlichen Grundlagen und den sozialen Frieden der Gesellschaft gefährde. Als wenig hilfreich für den Wirtschaftsstandort Deutschland bezeichnete indes Prof. Dr. Walter Eykmann die derzeit geführte „Unternehmerschelte“, die er in erster Linie wahltaktisch motiviert sieht. Gleichwohl wünsche er sich aber von einigen Unternehmen mehr Sozialverantwortung und einen stärkeren Blick für das Ganze, sagte Eykmann. Nur wenn es der Gesellschaft, dem Staat und der Wirtschaft gelinge, den Menschen Perspektiven aufzuzeigen, könne sie den fortschreitenden Vertrauensverlust bei vielen, gerade jungen Menschen in die Politik stoppen. Unter diesen Gesichtspunkten sei gerade die hohe Jugendarbeitslosigkeit in vielen Regionen der Bundesrepublik Deutschland ein untragbarer Zustand. Die verfestigte Arbeitslosigkeit bezeichneten beide Referenten übereinstimmend als eine der größten Herausforderungen in der Geschichte Nachkriegs-Deutschlands.
Mehr Projekte, weniger Verlautbarungen empfahl Prof. Dr. Bernhard Sutor, früherer Vorsitzender der Landeskomitees der Katholiken in Bayern, den katholischen Verbänden. Verlautbarungen kirchlicher Absender gebe es zu viele und sie bewirkten nur wenig. Wichtiger wäre es, wenn katholische Verbände bei beispielhaften Vorhaben wie Ausbildungsprojekten oder Familien unterstützenden Einrichtungen mitwirkten. Als weitere Aufgabe benannte Sutor in seinem Vortrag „Sind katholische Verbände noch zeitgemäß?“ die religiöse wie die sozialpolitische Bildungsarbeit. Bei der Glaubensbildung sei heute aber gefordert, in die Tiefe statt in die Breite zu gehen. Die Bildungsangebote der Verbände müsse zudem Wege zu den Menschen in den Machtzentren in Politik, Wirtschaft, Medien und Interessensverbänden finden.
Die Adressaten ihrer Verkündigung als Gesprächspartner ernst zu nehmen, riet Prof. Dr. Christoph Böttigheimer der Kirche generell. „Die angemessene Methode, das Evangelium zu verkünden, ist der Dialog“ beschrieb der Professor für Fundamentaltheologie an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt eine Grundeinsicht des Zweiten Vatikanischen Konzils. Die Themen der Verkündigung müsse sich die Kirche von den Anliegen der Menschen vorgeben lassen. Indiz für die Glaubwürdigkeit der Kirche sei, dass sie nach außen nichts anderes sage, als was sie im Inneren lebe. Daher müsse auch „nach innen“ der Dialog mit allen geführt werden, betonte Böttigheimer. Die Mitwirkung der Laien sei deshalb unverzichtbar.
Neben den Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen bot das Programm des Hirschberg-Forums Angebote für die ganze Familie. Kultureller Höhepunkt war das Schlosskonzert mit dem 11-köpfigen Ensemble „Vokaletta“ aus Regensburg, die im Rittersaal geistliche und weltliche Vokalmusik zur Maienzeit darboten.
Das Hirschberg-Forum ist neben dem Landestreffen im Herbst die wichtigste Veranstaltung des KKV Landesverbands Bayern der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung. Der KKV Landesverband ist der Zusammenschluss der 13 bayerischen Ortsgemeinschaften in Amberg, Aschaffenburg, Augsburg, Bamberg, Erlangen, Fürth, Ingolstadt, Kitzingen, Memmingen, München, Nürnberg, Passau und Würzburg sowie von Einzelmitgliedern in weiteren bayerischen Städten.
Nähere Informationen erhalten Sie in der Geschäftsstelle des KKV Landesverbandes Bayern e.V., Rankestr. 18, 90461 Nürnberg, Telefon 0911/ 497201, Fax 0911/497311, E-Mail landesverband.bayern@kkv.org
V.i.S.d.P. Dr. Klaus-Stefan Krieger
31-05-2005