Von rechts: Landesvorsitzender des KKV Bayern Dr. Klaus-Stefan Krieger aus Erlangen, stv. Bundesverbandsvorsitzender Dr. Heribert Engelhardt aus Würzburg, Fraktionsvorsitzende der CSU im Bayerischen Landtag Joachim Hermann (Festredner) aus Erlangen, geistl. Beirat des KKV Bundesverbandes Prälat Prof. Dr. Friedrich Janssen aus Vechta, Apostolische Nuntius in Deutschland Erzbischof Dr. Erwin Josef Ender aus Berlin (Zelebrant Festgottesdienst), KKV Bundesverbandsvorsitzender Georg Konen mit Frau aus Oldenburg, Vorsitzender des KKV Hansa München Klaus-Dieter Engelhardt mit Frau
In München fand vom 5. bis 8. Mai der 83. KKV-Bundesverbandstag der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung unter dem Motto: "KKV- In der Kirche zu Hause - offen für die Gesellschaft" mit fast 600 Frauen und Männern statt. Gastgeber war der KKV Hansa München, der zugleich sein 125. jähriges Bestehen feierte.
„Kapitalismus-Kritik“ braucht der KKV als Reizwort nicht neu zu entdecken. Katholische Frauen und Männer aus Wirtschaft und Verwaltung wissen sich seit ihrer Gründung der katholischen Soziallehre verpflichtet: Personalität, Subsidiarität, Solidarität und Nachhaltigkeit sind seit dem Ende des 19. Jahrhundert deren Schlüsselbegriffe.
Miteinander sprechen, einander zuhören, voneinander lernen: Das Gespräch mit den drei Azubis des Hotels Maritim, dem Food & Beverage Manager und dem Hoteldirektor und dem Essener Weihbischof Grave, dem Bundesvorstand und Mitgliedern des Vorstandes des KKV Hansa München brachte eine Überraschung: der „Kirche“ und einem kirchlichen Verband zu begegnen, ist für die Mitarbeiterinnen des Maritim wichtig. Sie suchen Orientierung jenseits des Berufsalltags. Und da liegt die Kernkompetenz des KKV.
Und als der Weihbischof hinter dem Tresen der Bar stand, war allen klar, was bleibt: nicht nur ein Erinnerungsfoto, sondern: wenn der KKV auf Menschen zugeht, wird er gehört und er lernt dabei selbst, was die „Zeichen der Zeit“ sind, die seine Verbandsarbeit im Alltag inspirieren und wo die Herausforderungen an das Profil liegen.
Die öffentliche Podiumsdiskussion zum Thema „KKV - in der Kirche zu Hause - offen für die Gesellschaft - Christ sein im 21. Jahrhundert“ mit Weihbischof Franz Grave, Essen, dem sozialpolitischen Sprecher der CSU-Landtagsfraktion Joachim Unterländer, Dr. Heribert Engelhardt, einem jungen, alt-gedienten Verbandsbruder aus Würzburg, und Matthias Drobinski von der Süddeutschen Zeitung, München, unter der Moderation von Andreas Bönte, Bayerischer Rundfunk, München hätte jeden Fußballfreund erfreut. Das Spiel auf dem Podium war zielgerichtet, angriffslustig, schwere Fouls gab es keine. Aber es ging um wertvolle Punkte, ja um den Klassenerhalt des KKV. Kann ein Sozialverband aus dem 19. Jahrhundert in der sozialpolitischen Liga des 21. Jahrhunderts überhaupt noch mitspielen?
Die Vorlage zu den Querpässen lieferte gekonnt über die Flanken spielend, aber auch mit direkten Schüssen, der Essener Weihbischof Grave, ein echter Teamspieler. Ohne ein Konditionstraining in „kirchlicher Sozialverkündigung“ ist der Erstligist KKV zum Abstieg in die Bedeutungslosigkeit verurteilt, so Grave frei übersetzt. Solidarität, Subsidiarität, soziale Gerechtigkeit sind keine Standardsituationen des gesellschaftlich-sozialen Zusammenspiels, sondern Chancen zum Punkten in der konkreten Lebenswirklichkeit der Menschen unserer Tage. Und die anderen Teilnehmer der Podiumsdiskussion machten deutlich, dass die Qualitäten des KKV von Außen erst wieder wahrgenommen werden, wenn das Konditionstraining intern erfolgreich und ausdauernd geübt wird. Sozialethische Muskelmasse muss dringend aufgebaut werden. Da ist noch mancher Ball im Spiel und die KKV-Verbandsgeschwister müssen den Ball einander und allen Menschen guten Willens zuspielen, aber passgenau.
Die Festliche Stunde des KKV Bundesverbandes, ihre zweite Halbzeit, war angebrochen und der Festredner Joachim Hermann, der Fraktionsvorsitzende der CSU Fraktion im Bayerischen Landtag, hatte während der ersten Halbzeit sein Manuskript korrigiert und gekürzt. Die gewonnene Zeit machte er durch Exkurse wieder wett. Doppelpässe machen sich bei einer Festrede in der sozialpolitischen Liga nicht gut. Und das lohnten ihm die Verbandsgeschwister des KKV mit Szenenapplaus. Als christlicher Politiker fand er die Tonlage für einen katholischen Sozialverband. Die Stich-Worte stachen - meistens die anderen, und wer nicht gestochen wurde, applaudierte der klugen Rede. Und jetzt hoffe ich, dass alle, die applaudierten, sich nun die Ärmel hochkrempeln und die Hände im Alltag des KKV schmutzig machen, damit es nicht bei Worten bleibt in der sozialpolitischen Liga. Die Musik, dargeboten von drei jungen Damen, gab die Chance, dass sich manches Wort in die Herzen senken konnte. „Das Lied der Deutschen“ schloss den 83. Bundesverbandstag des KKV an diesem historischen 8. Mai 2005 würdig ab.
Dem Eröffnungsgottesdienst in St. Michael, der Jesuitenkirche, im Herzen von München stand als Hauptzelebrant der Essener Weihbischof Franz Grave, umgeben von Priestern und Diakonen aus dem KKV, vor. In seiner engagierten Predigt holte Weihbischof Grave die „pralle Wirklichkeit“ des Lebens in diese hehre, helle Kirche. Der Germeringer „Cillis Gospelchor“ unter der Leitung von Brian Hamilton brachte ein „Maximum an Leidenschaft und Musikalität“ in den Gottesdienst. Die würdevolle Stimmung fand dann in der Segnung des Banners des KKV Bundesverbandes durch Prälat Friedrich Janssen ihren weihevollen Abschluss.
Für den Festgottesdienst am Sonntag in St. Paul war der Apostolische Nuntius in Deutschland, Erzbischof Dr. Erwin Josef Ender, aus Berlin eingetroffen. Rainer Hepler, der Pfarrer der St. Pauls-Kirche begrüßte den Nuntius, den KKV und die liturgische Assistenz und die Gemeinde vergaß er auch nicht. Der Chor von Heilig-Geist, München, sang unter der Leitung von Stefan Moser bravissimo die Missa Brevis B‑Dur von W. A. Mozart. Weniger breve war die Predigt des Nuntius, der den KKV-Mitgliedern deutlich und lang ins Gewissen redete, in ihrer Arbeit die katholische Soziallehre umzusetzen. Da sprach der Bundestrainer vor dem Erstligist KKV und erinnerte daran, dass es noch eine andere Spielklasse gibt.
Und an den langen Gottesdienst schloss sich eine fast spontane lange Prozession der KKV Banner und Fahnen und der Teilnehmer zum Hotel Maritim an, die Münchner Polizei gab uns Geleitschutz: ein positives Zeichen unsere KKV-Prozession an diesem 8. Mai 2005 zu begleiten, denn die Kollegen hatten die Ewiggestrigen am Marienplatz im Auge zu behalten.
Der KKV-Bundesverband und der KKV Hansa München haben bei ihrem 83. Bundesverbandstag in München den Willen bekräftigt, mit allen ihren Mitglieder auch im 21. Jahrhundert in der ersten Liga der Sozialpolitik in Deutschland mitzuspielen.
München, 10.05.2005
V.i.S.d.P. Klaus-Dieter Engelhardt