An der Feierstunde in der „Alten Synagoge“ nahmen am Sonntag teil von links: Dr. Otto Hünnerkopf MdL, Landespräses Geistlicher Beirat P. Karl Hofer SJ, KKV-Landesvorsitzender Dr. Klaus-Stefan Krieger, Michael Glos MdB, Domkapitular Monsignore Günter Putz, KKV-Ortsvorsitzender Alfred Volbers, stellvertretender Landrat Lothar Voltz, der Vorsitzende des KKV-Bildungswerkes Bayern, Wolfgang Barth und Dekan Herbert Baumann. Foto: Wiesinger
Mit einem von Domkapitular Monsignore Günter Putz und Dekan Herbert Baumann zelebrierten Festgottesdienst in der Stadtkirche St. Johannes und einem Vortrag von CSU-Landesgruppenchef Michael Glos MdB in der „Alten Synagoge“ endete am Sonntag in Kitzingen das zweitägige Landestreffen des KKV-Verbandes der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung. Die Fachtagung des katholischen Sozialverbandes beschäftigte sich unter dem Leitgedanken „Solidarität am Ende? Die Zukunft der sozialen Sicherungssysteme“ mit dem aktuellen Reformprozess in Deutschland. Zur abschließenden Feststunde, die vom Kammerchor St. Johannes musikalisch umrahmt wurde, konnte KKV-Landesvorsitzender Dr. Klaus-Stefan Krieger auch zahlreiche Ehrengäste aus dem gesamten Landkreis Kitzingen begrüßen.
Ausgehend von einem historischen Rückblick auf die Entwicklung des Sozialstaates und einer eingehenden Analyse der gegenwärtigen Lage in Deutschland zeigte MdB Michael Glos die dringende Notwendigkeit von Reformen auf. Bezug nehmend auf den Vorwurf des Sozialabbaus verwies der CSU-Landesgruppenchef auf die christlichen Soziallehren, das Solidaritäts- und das Subsidiaritätsprinzip: „In einer freiheitlichen Gesellschaft ist zunächst der selbstverantwortliche Bürger in der Pflicht, sein Schicksal aus eigener Kraft in die Hand zu nehmen, ehe die Gemeinschaft im Falle der Not Hilfe zur Selbsthilfe gewährt.“ Der Weg in den Wohlfahrtsstaat mit Rundumversorgung aller Risiken führe über kurz oder lang zur Überforderung der Solidargemeinschaft. So sei auch unser Sozialstaat in seiner jetzigen Form mittlerweile an den Grenzen der Finanzierbarkeit angelangt.
Als Ursachen für die Krise des Sozialstaates nannte Glos die Globalisierung der Wirtschaft und den auch durch die Erweiterung der Europäischen Union verstärkten Druck auf die Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft, ferner die Sonderbelastung durch die Integration der östlichen Bundesländer in die Sozialversicherungssysteme und nicht zuletzt die nachteilige demografische Entwicklung in unserem Land. Diese würde ohne Änderung der politischen Weichenstellung zu einem weiteren, im Zeitverlauf explosiven Anstieg der Sozialversicherungsbeiträge führen. Weiter steigende Arbeitskosten und weiter sinkende Arbeitszeiten würden jedoch von den internationalen Märkten schonungslos bestraft. Ohne Anpassung drohe ein Wettlauf um die Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland. Die Spielräume zur staatlichen Finanzierung von Sozialleistungen würden aufgrund der nachlassenden Wachstumsdynamik immer geringer. Deutschland lebe schon seit Jahren über seine Verhältnisse, der Sozialstaat sei nicht mehr im Einklang mit dem gesamtwirtschaftlichen Leistungsvermögen, die öffentlichen Finanzen hätten sich zu einer Zeitbombe entwickelt. So habe zum Beispiel im Jahr 2003 das Defizit im öffentlichen Gesamthaushalt (Bund, Länder, Kommunen und Sozialversicherungen) mit rund 85 Milliarden Euro einen historischen Rekordwert erreicht, der gesamtstaatliche Schuldenstand betrage 1,37 Billionen Euro. Auch hier sei ein Umsteuern dringend geboten, um den nachfolgenden Generationen nicht unzumutbare Lasten aufzubürden.
Ein wichtiges Kriterium für die Akzeptanz auch schmerzhafter Reformen beim Umbau unserer Sozialsysteme sei Gerechtigkeit, so Glos weiter. „Wir müssen jedoch davon Abstand nehmen, Gerechtigkeit nur an der Verteilungsgerechtigkeit auszurichten.“ Gerechtigkeit meine mehr: einen fairen Lastenausgleich gerade auch zwischen den Generationen zu schaffen. Würden unter dem Stichwort Sozialstaat Lasten auf die Zukunft verschoben oder Leistungen zunehmend auf Kosten der Substanz oder auf Pump finanziert, wäre dies sogar eklatant ungerecht. Da die Ausgaben des Sozialstaates erst erwirtschaftet werden müssen, sei gerecht und sozial, was Arbeitsplätze sichert und schafft. „Mehr Wohlstand und soziale Sicherheit erreichen wir aber nur durch mehr Leistung und mehr Arbeit“, so Glos abschließend.
KKV-Landesvorsitzender Dr. Krieger bat den CSU-Landesgruppenchef, im laufenden Reformprozess dafür einzutreten, dass das Solidarprinzip und eine verpflichtende Absicherung der Grundrisiken erhalten bleiben. Es müsse weiterhin einen sozialen Ausgleich für Schwächere geben jedoch nicht dergestalt, dass er über Steuer- und Abgabenerhöhungen an anderer Stelle von diesen wieder selbst bezahlt wird.
Die Festveranstaltung in der „Alten Synagoge“ bildete auch den Rahmen für eine nur selten verliehene Auszeichnung des KKV-Landesverbandes: in Würdigung seiner großen Verdienste und seines ebenso unermüdlichen wie erfolgreichen Einsatzes für den Verband wurde der Würzburger Egon Zepke posthum mit der silbernen Hirschberg-Medaille ausgezeichnet. Zepke hatte 1989 den Vorsitz des KKV Constantia Würzburg übernommen und die Vereinsarbeit intensiviert. 1997 wurde er zu einem der stellvertretenden Bundesvorsitzenden gewählt, im Jahr 2000 übernahm er zusätzlich den Vorsitz des KKV-Bildungswerkes Bayern. Schließlich wurde Egon Zepke 2001 zum Bundesverbandsvorsitzenden gewählt; dieses Amt übte er bis zu seinem plötzlichen Tod im März 2004 aus. In einer sehr persönlich gehaltenen Laudatio würdige KKV-Landesvorsitzender Dr. Krieger den Verstorbenen und überreichte seiner Witwe die Auszeichnung.